Berliner Sitzvolleyballer nach starker Turnierleistung Deutscher Vizemeister

Am 9. und 10. Oktober 2010 fanden die Deutschen Meisterschaften in der paralympischen Mannschaftssportart Sitzvolleyball in Leverkusen statt.

Vor dem Turnier waren die Mannschaften aus Leipzig und Leverkusen als Meister und Vizemeister des vergangenen Jahres eindeutig favorisiert, zumal sich die Mannschaft aus Berlin in einer Umbruchsituation bzw. einem Neuaufbau befindet.

So fuhr auch dieser Situation geschuldet eine zahlenmäßig kleine Mannschaft aus Berlin zur Meisterschaft. Die Mannschaft bestand mit den beiden Zuspielern: Corinna Cavier und Steffen Barsch, den beiden Hauptangreifern: Martin Rickmann und Peter Schlorf, den beiden Nebenangreifern: Lars Hasselbach und Christian Hesterberg sowie der Libera Elisabeth Sieck und dem Spielertrainer Isko Steffan nur aus acht Teammitgliedern. In der Vorrunde wurden die Spiele gegen Magdeburg und Leipzig II jeweils klar mit 2:0Sätzen gewonnen. Im dritten Vorrundenspiel kam es zu dem Spiel gegen Leverkusen I. Nachdem der erste Satz klar und deutlich mit 11:25 verloren ging, steigerten sich die Berliner und der zweite Satz war lange ausgeglichen bis die Leverkusener auch diesen Satz mit 25:21 gewannen. Dieser Satz deutete schon an, dass das Team aus Berlin spielerisch durchaus mithalten kann. Im letzten Spiel des Samstags konnten die Berliner als Gruppenzweite das Viertelfinale gegen Leverkusen III, den Gruppendritten der anderen Gruppe, klar mit 2:0 Sätzen für sich entscheiden.

Am Sonntag kam es dann zum Halbfinale gegen den Vorjahresmeister Leipzig. Im ersten Satz begannen beide Mannschaften sehr konzentriert, wobei die Leipziger bis zur Mitte des Satzes immer ein paar Punkte Vorsprung behaupten konnten. Insbesondere in der Endphase des Satzes zeigten die Berliner Höchstform und konnten den ersten Satz mit 25:23 für sich entscheiden. Die Leipziger kamen im zweiten Satz gewohnt kampfstark wieder in das Spiel zurück und setzten das Team aus Berlin stark unter Druck, so dass es zu dem klaren Zwischenstand von 20:11 für Leipzig kam. Die Berliner unter Führung ihres Mannschaftskapitäns Steffen Barsch besannen sich wieder auf ihre Stärken und konnten den Rückstand wieder verkürzen, so dass die Leipziger den zweiten Satz mit 25:19 gewannen. Jetzt musste der Tie-Break entscheiden, in dem der Satz bei mindestens 15 Punkten für eine Mannschaft und zwei Punkten Unterschied beendet ist. Die Leipziger waren sich ihrer Stärke nach der Verunsicherung des verlorenen ersten Satzes wieder bewusst und die Berliner traten angesichts der bis dahin mit Abstand stärksten Turnierleistung auch mit der Gewissheit an, auf Augenhöhe mithalten zu können. Aufgrund der Favoritenstellung lag der Druck bei den Leipzigern, die wiederum mit großem Engagement begannen, sich aber nicht absetzen konnten. Die Mannschaften errangen abwechselnd ihre Punkte bis zum Stand von 7:7. Martin Rickmann, einer der beiden Hauptangreifer der Berliner, hatte bereits seit Samstagabend starke Fußschmerzen, die sich später als Mittelfußbruch herausstellten, und war im Spiel mit einem Mitspieler zusammengestoßen, so dass eine Auszeit genommen werden musste. Aufgrund des dramatischen Spiels mit Adrenalin bis unter die Haarspitzen ausgestattet, biss er auf die Zähne und spielte weiter. In der Zwischenzeit schauten alle anwesenden Zuschauer und Spieler der anderen Mannschaften gebannt auf dieses hochklassige Spiel, dass stets sehr knapp blieb.

Die Berliner konnten als erste einen Matchball herausspielen, diesen aber nicht verwerten. In den folgenden Minuten konnten sich beide Mannschaften bis zum Spielstand von 22:21 für Berlin weitere Matchbälle erarbeiten aber nicht verwerten. Bei dem dann anstehenden Punkt waren die Leipziger nicht sofort mit einem Angriff aus der Annahme heraus erfolgreich und es unterlief ihnen in diesem Ballwechsel ein Fehler, der das Spiel entschied, so dass der Satz mit 23:21 an die Berliner ging.

Die Freude bei den Berlinern und die Enttäuschung bei den Leipzigern waren jeweils sehr groß und das Spiel nach einheitlicher Beurteilung aller Beobachter eine Werbung für die Sportart Sitzvolleyball.

Die Berliner, die in diesem Spiel bis an ihre Belastungsgrenzen gegangen waren, hatten noch 90 Minuten, um sich auf das Finale gegen Leverkusen I vorzubereiten, die sich gegenüber der Aufstellung vom Samstag noch planmäßig mit weiteren Spielern verstärkt hatten.

Im Finale, dass ebenso wie das Spiel um Platz drei über drei Gewinnsätze angesetzt war, begannen die Berliner wieder sehr konzentriert und einsatzstark. So konnte der erste Satz nach ständiger Führung auch gewonnen werden. Ab dem zweiten Satz verstärkten die Leverkusener ihren Angriffsdruck und die Fehlerquote stieg bei den Berlinern. Es kam immer wieder zu sehr guten Spielaktionen auf beiden Seiten, insgesamt zeigten die Leverkusener aber die konstantere und bessere Leistung. Mit zunehmender Spieldauer zeigten sich auch die Nachteile der mangelnden Auswechselmöglichkeiten bei den Berlinern. Das Spiel ging mit 3:1 Sätzen an die Leverkusener, die damit die Meisterschaft gewannen.

Die Berliner haben Dank einer tollen Mannschaftsleistung den Vizemeistertitel gewonnen, so dass sich die Enttäuschung nach dem verlorenen Endspiel in Grenzen hielt und die Freude weit überwog.